Kunst im Klo

am 05.10.2018 / in kunst & kultur, zitate & fakten / unter #

Einmal bin ich — im wortwörtlichen Sinne — auf einem Kunstwerk gelandet, das in meinen Augen ein wirklich kraftvolles und finales Statement […] darstellt. Das Werk befindet sich im Haus meines Schwagers, des Kunstsammlers Friedrich Christian («Mick») Flick, hoch in den Bergen von Gstaad und stammt von der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist. Es besteht aus einem Monitor, der im Gästeklo von Micks Haus installiert ist.
Setzt man sich auf die Schüssel, findet man gleich neben dem Klopapier eine kleine Fernbedienung. Man schaltet den Monitor an, in der Hoffnung, sich die Zeit mit den neuesten Nachrichten vertreiben zu können. Das Bild auf dem Monitor eröffnet aber nicht den Blick auf das Weltgeschehen. Dank einer in der Kloschüssel befestigten kleinen Kamera sieht man vielmehr, per Live—Übertragung, wie die eigenen Exkremente ins Wasser plumpsen. Die Scheiße nicht des Künstlers, sondern des Kunstbetrachters als ultimatives Kunstwerk.

Aus dem Buch «Smalltalk» von Alexander von Schönburg (Rowohlt)

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