Der Guineawurm

Der Guineawurm

Ich glaube, das ist die entsetzlichste Krankheit, von der ich bisher gelesen habe …

Ein Krankenpfleger mit Gummihandschuhen massiert Ajaks mageren Unterschenkel. In der Mitte ist ein Loch, so groß wie ein Fingernagel. Aus diesem Loch schaut ein weißlicher Wurm. Er sieht aus wie eine gekochte Spaghettinudel. Der Guineawurm kann mehr als einen Meter lang werden. Er lebt in den Menschen, kriecht zwischen Muskeln und Knochen durch. Und irgendwann will er nach draußen.
Vor zwei Wochen ist eine Beule an Ajaks Bein gewachsen. Dann begann der Wurm herauszukriechen. Seitdem ziehen Pfleger jeden Morgen und jeden Abend ganz vorsichtig an dem Tier. Es sitzt im Gewebe fest, jedes Mal bewegt es sich nur ein paar Zentimeter weiter. Dann wickelt der Pfleger jenen Teil des Wurms, der herausschaut, um ein Stück Mullbinde, die er an Ajaks Bein festbandagiert. Und jedes Mal kann sie vor Schmerzen kaum atmen.

Ex-US-Präsident Jimmy Carter kümmert sich mit einer eigenen Organisation um die Ausrottung des Wurms.

Ein Erlebnis aus Ghana, erzählt Carter, lasse ihn nicht mehr los. Vor ein paar Jahren besuchte er ein kleines Dorf. 350 der 500 Bewohner hatten Guineawürmer. Manche konnten sich für den hohen Besuch nicht einmal aus ihren Hütten schleppen. Carter sah eine hübsche junge Frau, vielleicht 20 Jahre alt, sie hielt ein Baby im Arm – so dachte er. Als er näher kam, um nach dem Namen des Kindes zu fragen, sah er, dass sie ihre angeschwollene rechte Brust hielt. Aus der Brustwarze ragte ein Guineawurm.
Meistens kommen die Parasiten an den Beinen zum Vorschein, sie können sich jedoch überall nach draußen bohren, sogar durch die Augen.

Zitate: Der Spiegel, Ausgabe 50/2010.

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