Entwicklungshilfe versus Korruption

Die GTZ [die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit] hat in Kongo schon seit Langem ein eskalierendes Problem. Ein lokaler Geschäftsmann aus der ostkongolesischen Stadt Goma klagt seit Jahren wegen einer Ladung Brennholz, die angeblich nicht bezahlt wurde. Er sollte 1994 3 400 Raummeter liefern, doch der Großteil – 2 820 Raummeter – kam nie an. Dennoch verlangte er den vollen Kaufpreis von 47000 Dollar. 2003 schloss die GTZ einen Vergleich und zahlte 8500 Dollar zur Abgeltung aller Ansprüche. Doch nach einigen Monaten verlangte der Händler weitere 15000 Dollar, was vom Richter auf 150000 Dollar heraufgesetzt wurde. Die Prozesse gingen weiter, die Forderungen wurden immer höher – auf inzwischen 1,5 Millionen Dollar. Im Mai drohte der Händler mit Zwangsvollstreckung des GTZ-Eigentums.

Zugleich versucht eine lokale Nichtregierungsorganisation in Goma, die einen GTZ-Auftrag in Höhe von einer Million Dollar nicht ausführte, ebenfalls die deutsche Organisation zu erpressen. Korrupte Richter schraubten auch in diesem Fall die Forderungen hoch und verfügten schließlich im Juli die Pfändung der GTZ-Konten und die Beschlagnahme des Gebäudes der Organisation. „Gerichtsklagen in Kongo sind leider ein einträgliches Geschäft geworden, und wir sind davon betroffen“, sagte die GTZ-Sprecherin Anja Tomic.

via Sächsische Zeitung: Minister Niebel hat ein Problem am Kongo

3 Reaktionen auf “Entwicklungshilfe versus Korruption”

  1. w. lumler am 21.09.10, 22:47

    es ist leider so, dass wir in den westlichen staaten unbedingt jegliche finanziell begründete africa hilfe einstellen müssen, dass verlangen sogar fortschrittlich eingestellte africaner. der grund dafür ist die unermessliche korruption; in einem armen land in africa kann nichts gestohlen werden als die entwicklungshilfe.
    die justiz in diesen staaten ist ebenso korrupt; was jeder an den urteilen gegen die gtz sehen kann. wir sollten die märkte für afrika öffen, keine handelsschranken mehr, aber den transfer von barmitteln beenden. ich kann das beurteilen, denn ich lebe seit jahren in africa, und sehe täglich, wie geld z.b. von hilfsorganisationen dafür ausgegeben werden, um dicke geländewagen zu kaufen, die dann privat um zu protzen eingesetzt werden.

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  2. w. lumler am 21.09.10, 23:12

    ein ansatz für konkrete entwicklungshile mit barmitteln, falls sie dann gewährt würden, ist ausschliesslich die gründung von banken, die mit entsprechenden mitteln ausgestattet sein müssen, um mini kredite bis zu etwa 500 euro vergeben, und zwar an die geschäftsfrauen, männer spielen in den africanischen ländern nämlich keine rolle im geschäftsleben, und diese geschäftsfrauen sind bekannt dafür, dass sie ihre kredite nahezu zu 95% auch zurückzahlen. es handelt sich also nicht um geschenke, die auf ausländischen politiker konten landen, sondern um selbsthilfeprojekte an die bevölkerung, die zu 95 % zurückfliessen und für neue kredite verwendet werden können. es gibt diese projekt, die dort sehr erfolgreich sind, bereits in süd america.

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  3. Danke für deine interessanten Ergänzungen.

    Nicht wundern: Zur besseren Lesbarkeit habe ich alles in Kleinschrift umgewandelt, sah vorher komisch aus. ;)

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